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Wie häufig erleben Kinder und Jugendliche mit Behinderungen Gewalt?

Stop Gewalt Aus Österreich liegen keine Untersuchungen über die Häufigkeit von Gewalt an Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen vor. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass sich die Situation hierzulange nicht von jenen in anderen Ländern unterscheidet. Daher stellen wir hier einige Ergebnisse aus der internationalen Forschung der letzten Jahre vor:

Im Jahr 2012 hat eine großangelegte Analyse von 17 internationalen empirischen Studien ergeben, dass Kinder mit Behinderungen ein drei- bis viermal höheres Risiko haben, Opfer von Gewalttaten zu werden als Kinder ohne Behinderungen. Kinder mit intellektuellen Beeinträchtigungen erleben besonders häufig physische, emotionale und sexualisierte Gewalt.

In der Schule erleben behinderte Kinder deutlich häufiger Mobbing als nichtbehinderte Kinder. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2014 zeigte außerdem, dass weitere Eigenschaften wie Geschlecht oder sexuelle Orientierung auf das Risiko, in der Schule gemobbt zu werden, großen Einfluss haben. Z.B. werden Mädchen mit Behinderungen häufiger gemobbt als Buben mit Behinderungen; behinderte Jugendliche, die sich als homo-, bi- oder transsexuell deklarieren, sind überhaupt am häufigsten von Mobbing in der Schule betroffen.

Die Art der Beeinträchtigung oder chronischen Krankheit von Kindern beeinflusst das Ausmaß von Gewalt, das diese in der Familie erleben: Kinder mit Sehbeeinträchtigung, mit Lernbehinderungen oder mit chronischen Krankheiten wie Asthma erleben 1,5 mal häufiger disziplinierende Gewalt in der Familie als Kinder ohne Behinderungen; Kinder mit psychischen Problemen sind 3,5 mal und jene mit Mehrfachbehinderungen 4,5 mal häufiger betroffen.

Jugendliche mit Körperbehinderungen haben ein signifikant höheres Risiko, sexualisierte Gewalt zu erleben als nichtbehinderte Jugendliche. Auch hier zeigt sich ein signifikanter Geschlechtsunterschied: Bei behinderten Burschen ist das Risiko wesentlich höher als bei behinderten Mädchen.


Diese Beispiele belegen, worüber international seit Längerem Einigkeit herrscht: Kinder und Jugendliche mit Behinderungen erleben wesentlich häufiger Gewalt als Kinder und Jugendliche ohne Behinderungen.

Eine detaillierte Liste der verwendeten Fachliteratur kann bei Integration Tirol angefordert werden.

Der nächste Newsletter widmet sich der Frage nach den Gründen dafür.

 

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